top of page
  • AutorenbildJulian Maly

Ist Headhunting böse?

Immer wieder lese ich in Artikeln, dass Headhunter so etwas wie die Störenfriede gelungener, langfristiger Beziehungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind. Und auch persönlich werden wir hin und wieder damit konfrontiert, dass wir doch Mitarbeiter eines Unternehmens nicht mehr direkt ansprechen sollen.


Ich sehe das naturgemäß etwas anders.


Unter den richtigen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, einer ethisch laufend kalibrierten Grundhaltung und dem Selbstbild als „unabhängiger Makler“ sind Headhunter weder Teufel noch Engel. Sie zeigen Möglichkeiten auf, begleiten auf dem Entscheidungsweg und raten zum notwendigen Zeitpunkt auch von einem Wechsel ab.

Ich möchte nachfolgend beleuchten, in welchen Situationen Headhunter hilfreich sein können und welche Grundbedingungen für eine professionelle Vorgehensweise erfüllt sein müssen:

 

Der Headhunter als vertrauliche Informationsdrehscheibe

Nicht nur Kunden, die aus unterschiedlichen Gründen auf eine verdeckte Abwicklung eines Search-Prozesses (teilweise ganz ohne öffentliche Ausschreibung) angewiesen sind, sondern auch viele unserer Kandidaten schätzen es, eine Plattform zu haben, auf der ohne gegenseitige Offenlegung Informationen mit dem Ziel ausgetauscht werden, einen potentiellen Fit abzuklären. Im besten Fall wird unter Wahrung entsprechender Vertraulichkeit (NDAs) ein direkter Kontakt auf neutralem Boden hergestellt. Sollte es nicht passen, wird keine der beiden Seiten vom Interesse des anderen erfahren. Indiskretionen durch gemeinsame Kontakte sind somit beispielsweise ausgeschlossen.

 

Der Headhunter als professioneller Targeter

Bereits bei der Erstellung der Quellzielgruppen auf Basis des Anforderungsprofils bringt ein professioneller Headhunter seine Expertise ein, was den Arbeitsmarkt betrifft. Persönlich versuche ich – auch im eigenen Interesse der besten Nutzung unserer Ressourcen – eine möglichst enge Definition der potentiellen Kandidaten umzusetzen. Gleichzeitig wissen wir, wie unprofessionell es wäre, bei demselben Unternehmen mehrere Kandidaten gleichzeitig anzusprechen. Das tun wir generell nicht. Dadurch erhöht sich die Response-Rate und die Zufriedenheit auf allen Seiten. Diese Vorgangsweise spart allen Parteien Zeit und verringert letztlich die Beschäftigung mit unrealistischen Jobangeboten bzw. Kandidatenprofilen.

 

Der Headhunter als Sparringspartner

Ein professioneller Headhunter informiert, evaluiert und unterstützt bei der Entscheidungsfindung. Dazu gehört das richtige Geschäftsmodell. Headhunter, die ausschließlich auf Erfolgsbasis bezahlt werden, haben klarerweise einen hohen Druck, potentielle Kandidaten zu einem Wechsel zu motivieren. Nur dann fließt Kohle. Bei vielen hochprofessionellen Kollegen in der Branche (und selbstverständlich auch bei uns) ist das anders. Wir setzen auf langfristige Beziehungen zu unseren Kunden und Kandidaten, klären alle wesentlichen Faktoren ab und versuchen, Informationen so transparent wie möglich zur Verfügung zu stellen. In vielen Fällen sicher unmittelbarer, als das bei einem direkten Kontakt mit einem Unternehmen möglich wäre. Und letztlich trauen wir auch den Rat zu geben, im derzeitigen Job zu bleiben, weil ein Wechsel entweder keine Verbesserung oder das Risiko hoch wäre, dass die Zusammenarbeit mit dem neuen Arbeitgeber nicht langfristig sein könnte. Wir klären darüber hinaus sehr wohl auch in unserem Interesse ab, ob die Wechselmotivation von direkt angesprochenen Kandidaten plausibel ist, oder man es sich „einfach nur verbessern will“ – im letztgenannten Fall gibt es von uns kein Go für die Shortlist, da dies ein Muster im Werdegang sein könnte und somit auch für unsere Auftraggeber keine positive Prognose der potentiellen Zusammenarbeit zulässt.

 

Der Headhunter als langfristiger Begleiter

Last but not least kennen wir viele unserer Kandidaten schon etwas länger und wissen, was für sie interessant sein könnte und welche Rahmenbedingungen nicht passen. Somit versuchen wir, zu einer stringenten Karriereentwicklung beizutragen und keine Informationen „ins Blaue“ hinein zu geben.

 

Allen Arbeitgebern, die Headhunting als Bedrohung für die Retention ihrer Kandidaten empfinden, möchte ich Folgendes sagen: Es gibt in jeder Branche schwarze Schafe und unprofessionelles Verhalten. Den Ärger darüber verstehe ich. Unter den o.g. Bedingungen allerdings sind Headhunter maximal ein Katalysator und beschleunigen im worst case Entwicklungen, die unter der Oberfläche ohnehin nicht optimal für ein Unternehmen sind. Wenn Kandidaten (aus unterschiedlichen Gründen) offen für einen Wechsel sind, werden sie sich über kurz oder lang ohnehin umsehen. Der Anruf eines Headhunters kann nur der Anlass, aber niemals der Grund für einen Wechsel sein.



Comments


bottom of page